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Karden kommen in 15 zwei- oder mehrjährigen, frostharten Arten in Europa, Nordafrika und den gemäßigten Zonen Asiens vor. Sie haben als typische Vertreter der ganzen Familie den Namen gegeben (Kardengewächse - Dipsacaceae). Sie wachsen auf durchlässigen, mäßig fruchtbaren Böden in der Sonne oder im leichten Schatten, in Unkrautbeständen an Wegen, Schuttplätzen, Dämmen etc. und verbreiten sich rasch durch Aussaat.
Die Wilde Karde ist eine recht dekorative zweijährige distelähnliche Pflanze. Sie bildet im 1. Jahr eine Rosette von bis zu 30 cm langen und spitzen, am Rand kurz bewimperten Grundblättern aus, welche mit Beginn der Blüte vertrocknen. Im 2. Jahr erscheint dann der bis zu 2 m hohe, im oberen Teil gabelig verzweigte, kantig gerillte Stengel, der mit 1 - 5 mm langen Stacheln unregelmäßig besetzt ist. Die Stengelblätter sind kürzer, ungeteilt, am Rand kahl oder zerstreut stachelig. Sie stehen sich kreuzständig gegenüber und sind am Grunde paarweise zu einem trichterförmigen Gebilde verwachsen, welches von der Pflanze als Regenwasser-Reservoir genutzt wird.
Im Sommer wachsen aus den oberen Blattachseln an langen stacheligen Stielen 3 - 10 cm lange und 2,5 - 4,5 cm breite Blütenähren in konischer, eiförmiger, walzenförmiger oder später auch zylindrischer Form. Die Blütenköpfchen sitzen auf schmalen, ungleich großen, bogig aufgerichteten Hüllblättern, von denen die längeren die Ähren überragen. Die kleinen lilafarbigen Blütchen haben vier etwa gleich lange Blütenblätter. Ihr Kelch ist röhrig, vierkantig und mit den benachbarten Kelchen wabenartig verwachsen. Jede Blüte sitzt auf einem kleinen nach oben gebogenen, elastischen borstigen Hoch- oder Spreublatt, das in einen Stachel ausläuft. Die Blüten in der Köpfchenmitte öffnen sich als erste und bilden so einen Kranz um die Ähre. Danach verschiebt sich die Zone der geöffneten Blüten gleichmäßig nach oben und nach unten, woraus dann zwei Ringe offener Blüten entstehen. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln, Bienen und Fliegen.
Die Frucht der Wilden Karde ist ein kleines Nüßchen (Schließfrucht). In der Fruchtverbreitung zählt die Karde zu den Tierballisten, d.h. die Versteifung bzw. die hakenförmige Verlängerung der Tragblätter und der distelartige federnde Bau der Pflanze machen es möglich, daß die Nußfrüchte beim Vorbeistreifen von Tieren hinauskatapultiert werden. Die Pflanze stirbt nach der Blüte ab. Der abgestorbene Stengel mit den leeren Blütenständen bleibt den ganzen Winter über bis in das Frühjahr hinein trocken stehen.
Der deutsche Name "Karde" ist ein Lehnwort, das aus dem lateinischen carduus (= Distel) entstand, obwohl die Wilde Karde mit der Gattung carduus, d.h. mit den Kratzdisteln, verwandtschaftlich nichts zu tun hat.
Der Gattungsname Dipsacus läßt sich aus dem griechischen dipsa = Durst ableiten. Damit wird auf Wanderer Bezug genommen, die ihren Durst mit dem Wasser aus den Reservoirs in den Blattachseln der Karde löschen. Man nannte früher Dipsacus wegen des Wassers auch "labrum veneris" = Venusbad. Es herrschte der Glaube, daß Mädchen, die sich mit diesem Wasser waschen, besonders schön werden.
Die Karde wird heute vorwiegend in naturnahen Gartenanlagen gepflanzt oder ausgesät, wo sie neben der Wirkung auf uns Menschen durch ihre imposante und statuenhafte Erscheinung auch als Futterpflanze für Schmetterlinge, Hummeln und Fliegen sowie später für Vögel dient. Im Herbst und Winter werden die Samenstände nämlich von Distelfinken gefressen. Deshalb ist es ratsam die Pflanze erst im Frühling zu entfernen.
Floristen binden die getrockneten Blütenstände gerne in Trockensträuße und Gestecke ein.
Mit den trockenen Fruchtständen der Weberkarde (Dipsacus sativus) hat man früher in der Textilindustrie Wollgewebe "gekrempelt", d.h. den Wollstoff gekämmt und dabei die Haare "aufgekratzt". Heute wendet man diese Methode nur noch bei der Herstellung von Filz für Billardtische an.
Da bei der Wilden Karde (Dipsacus sylvestris) die spitzen Hochblättchen im Blütenköpfchen biegsam sind, konnte sie nicht wie die Weberkarde zum Aufrauhen von Stoffen verwendet werden.
Die Karden gehören seit Alters her zu den Heilpflanzen. Allerdings ist nach heutiger Sicht die therapeutische Anwendung umstritten. Die Karden enthalten Inulin, Bitterstoffe, Saponine, organische Säuren und das Glykosid Scabiosid, das aber noch nicht näher erforscht ist. Eine genauere Untersuchung der Wirkung könnte durchaus lohnend sein, denn die meist aus den Wurzeln gewonnenen Stoffe gelten als harn- und schweißtreibend, magenberuhigend und verdauungsfördernd, gut gegen Durchfall, adstringierend und hilfreich bei Gelbsucht und Gallenbeschwerden.
In der Volksheilkunde gilt die Wilde Karde als wohltuend bei Fissuren (Rissen) und Rhagaden (Schrunden). Der aus den Stengeln und Blüten der Karde gewonnene Extrakt ist reich an Tanninen mit bemerkenswert kosmetischen Eigenschaften. Er wirkt intensiv schützend und stimuliert die Abwehrkräfte der Haut.
| Lateinischer Name | Deutscher Name | |
| Dipsacus laciniatus | Schlitzblättrige Karde (Krone weiß) | ![]() |
| Dipsacus pilosus | Borstenkarde, Behaarte Karde (Krone weißlich) | ![]() |
| Dipsacus sativus | Weberkarde (Krone lila, gelblich) | Foto im Web |
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Dipsacus sativus wird heute als Unterart von Dipsacus fullonum (= Dipsacus sylvestris) aufgefaßt und ist bei uns als Kulturpflanze bekannt. Wild kommt sie nur im westlichen Mittelmeerraum vor. Fachleute meinen, sie stamme von Dipsacus ferox ab.
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