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Die Kermesbeere ist mit über dreißig Arten überwiegend in den tropischen und den subtropischen Gebieten der Erde, speziell in Amerika und Asien, vertreten. Sie kommt als Staude, als Strauch und sogar als Baum vor.
Die Asiatische Kermesbeere ist in Tibet, China, Korea, Japan und Indien verbreitet und wird dort auch Shang Lu genannt. Sie liebt Ödland und lockere magere Böden. Stellenweise ist die Pflanze auch in Europa eingebürgert. Man findet sie hier vorwiegend als Zierpflanze in Gärten.
Die Kermesbeere ist eine ausdauernde, krautige und bis 2 m hoch werdende Pflanze mit aufrechtem Stengel und einer tiefreichenden, verzweigten, rübenförmig verdickten, fleischigen Pfahlwurzel. Die unbehaarten, kurzgestielten Blätter sind eiförmig-elliptisch, ganzrandig und ledrig runzlig.
Die grünlich-weißen Blüten stehen in einer aufrechten steifen Traube und erscheinen von Juli bis August.
Daraus entwickeln sich von August bis Oktober auffallende beerenartige Sammelfrüchte von 1 cm Durchmesser, die aus großen einzelnen Segmenten ähnlich wie bei einer Mandarine bestehen.
Sie sind zunächst grün und verfärben sich dann mit fortschreitender Reife über rot bis zuletzt fast schwarz. Die fleischigen Segmente der aufrecht stehenden Fruchttrauben enthalten je einen Samen.
Vögel fressen die Beeren sehr gerne und tragen so zur Verbreitung der Pflanze bei.
Die Aussaat der Kermesbeere erfolgt am besten in Schalen ab März bei ca.
Der deutsche Name und der Gattungsname Phytolacca geben Hinweis auf die Verwendung des Saftes als Farbstoff. Das griechische Wort phyton bedeutet Pflanze, lacca kommt aus dem italienischen und heißt Lack. Die deutsche Bezeichnung ist dem arabischen Wort kermes für rot entlehnt.
Alle Teile der Pflanze sind giftig. Medizinisch wird vor allem die im Winter ausgegrabene Wurzel verwendet, die das giftige Phytolaccatoxin, Phytolaccin, Saponine, Stärke, Bitter- und Mineralstoffe enthält.
Die Blätter enthalten Glucoprotein. Die gesamte Pflanze, vorwiegend aber die Wurzeln und die Samen enthalten Triterpensaponine. Die Beeren mit den giftigen Samen stellen für Kinder,
insbesondere für Kleinkinder, eine besondere Gefahr dar. Bei Erwachsenen und älteren Kindern gilt eine Menge von bis zu 10 Beeren als harmlos, für kleinere Kinder kann diese Menge aber schon giftig wirken.
Als Vergiftungssymptome zeigen sich Erbrechen, Beschwerden im Magen- und Darmbereich, Durchfall und Krämpfe.
Bekannt war die Pflanze bereits im Altertum, als ihre Blätter als Krebsmittel eingesetzt wurden.
Die Kermesbeere ist auch heute noch eines der Hauptkrebsmittel in der Homöopathie und kommt bei harten, schmerzhaften Brusttumoren bei betagten Personen zum Einsatz.
Der Saft der Blätter wirkt außerdem virenhemmend. Pulverisierte Wurzeln finden in der Homöopathie Verwendung als harntreibendes Mittel, als Brech- und Abführmittel,
aber auch zur Behandlung von Arthritis und Rheumatismus. Die homöopathische Anwendung hat sich besonders bewährt bei akut entzündlichen Erkrankungen im Rachenraum wie Mandelentzündungen, Halsentzündungen
mit Schluckbeschwerden und mit bis in die Ohren ausstrahlenden Schmerzen sowie bei Zahnbeschwerden. Die Pflanze wird auch erfolgreich bei der Behandlung von Brustdrüsenerkrankungen (z.B. bei stillenden Frauen mit Milchstau) eingesetzt.
Da die Wurzeln äußerst giftig sind, werden sie medizinisch nur rein äußerlich genutzt. Die alten taoistischen Magier bereiteten aus den Wurzeln einen Trank und verwendeten sie in ihren Räuchermischungen, um Geister und Dämonen erscheinen zu lassen.
Die Kermesbeere ist eine alte Färberpflanze. Die angenehm süßlich-fad schmeckende Beeren wurden früher wegen ihres schwarzroten Saftes, der den roten Farbstoff Betanin enthält, zum Färben von Rotwein sowie von Süß- und Backwaren verwendet. Die Farbe ist allerdings nicht sehr lichtbeständig. Der französische Sonnenkönig Ludwig, der XIV., ließ diese Verfälschung von Rotwein sogar mit dem Tode bestrafen.
Früher bereitete man die jungen, noch nicht entfalteten Triebe der Pflanze als Gemüse zu. Dazu wurden die Triebe 15 Minuten gekocht und dann in neuem Wasser 20 Minuten gegart. Sie schmeckten dann wie Spargel. Anscheinend wurden auch junge Blätter (ältere Blätter sind giftig) wie Spinat zubereitet. Heutzutage ist allerdings vom Genuß der Pflanze abzuraten, da alle Pflanzenteile mehr oder weniger giftig sind.
Die Kermesbeere kann auch im Garten als wirksames Mittel gegen Schnecken verwendet werden. Beim Gießen zersetzen die in den Keimen der Kermesbeere enthaltenen Saponine die Schleimhäute von Schnecken und deren Eier. Gleichzeitig steigt der pH-Wert im Boden.
| Die Asiatische Kermesbeere (Phytolacca acinosa) und die Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) sind hinsichtlich der medizinischen Wirkung und Verwendung sehr ähnlich. Die Blätter der Asiatischen Kermesbeere scheinen weniger giftig zu sein als die der Amerikanischen Kermesbeere. Beide Arten unterscheiden sich vor allem in der Blattstruktur, der Blütenfarbe und der Beerenform. Die Blätter der Amerikanischen Kermesbeere sind schmaler sowie glatt und nicht so runzlig wie bei der asiatischen Art, ihre Blüten werden rosarot. Die Beeren der Amerikanischen Kermesbeere sind flachkugelig und besitzen keine einzelnen Segmente wie die der asiatischen Art, außerdem hängen ihre Fruchttrauben meist herab. | |||
| Lateinischer Name | Deutscher Name | ||
![]() Phytolacca americana |
Phytolacca americana, Phytolacca decandra, Phytolacca vulgaris | Amerikanische Kermesbeere | Foto im Web |
| Phytolacca dioica | Ombú-Baum (wird bis 10 m hoch) | Foto im Web | |
| Phytolacca drastica | |||
| Phytolacca dodecandra | Foto im Web | ||
| Phytolacca heptandra | |||
| Phytolacca icosandra | |||
| Phytolacca japonica | |||
| Phytolacca kaempferi | |||
| Phytolacca octandra | Foto im Web | ||
| Phytolacca pekinensis | |||
| Phytolacca rivinoides | Foto im Web | ||
| Phytolacca rugosa | Foto im Web | ||
| Phytolacca sandwicensis | Hawaii-Kermesbeere | Foto im Web | |