STINKENDE NIESWURZ


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Synonyme: Palmblättrige Nieswurz, Weihnachtsrose, Winterrose, Schneerose
Lateinischer Name: Helleborus foetidus
Familie: Hahnenfußgewächse - Ranunculaceae
Lebensdauer: ausdauernd
Blütemonat: 2-5
Blütenfarbe: grün
Höhe: 0,3 bis 0,8 m
Lichtverhältnisse: absonnig, halbschattig, schattig
Bodenfeuchte: trocken
Boden: humos, lehmig, kalkhaltig, durchlässig
Vermehrung: durch Samen in den Monaten 5-7
Keimverhalten: Kaltkeimer, Dunkelkeimer
Vorkommen:lichte Wälder, trockene Gebüsche, steinige Abhänge
Nützlich für: Wildbienen, Hummeln, Falter
Giftigkeit: N
Sehr giftig!
Stinkende Nieswurz - ganze Pflanze

Zum Seitenanfang  Beschreibung

Die Gattung Helleborus umfaßt etwa 20 Arten, von denen drei, unter ihnen die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus), in Mitteleuropa vorkommen. Alle Arten sind stark giftig.

Stinkende Nieswurz - Blühende Pflanze Die Stinkende Nieswurz ist eine bis zu 80 cm hoch werdende ausdauernde Pflanze von buschiger Gestalt. Sie ist eine selten gewordene Zierde vorfrühlingshafter Trockenwälder und daher in der freien Natur streng geschützt.

Der Wurzelstock der Stinkenden Nieswurz ist spindelförmig und stark verzweigt.
Ihr verholzter Stengel ist von unten an beblättert. Entlang der Sproßachse zeigen die wintergrünen Blätter von unten nach oben eine eindrucksvolle Wandlung (in Form und Farbe) von den normalen Laubblättern, über die Hochblätter bis zu den Blütenhüllblättern.
Die unteren größeren Blätter sind dunkelgrün, langgestielt und fußförmig gefiedert (manchmal auch als handförmig geteilt beschrieben). Sie bestehen aus 7-9 (selten 11) feingezähnten lanzettähnlichen Abschnitten. Während die mittleren Blätter dann nur noch an der Spitze geteilt sind, erscheinen die zuoberst angeordneten kleineren Blätter ungestielt, eiförmig und ganzrandig.
Die Stinkende Nieswurz schließt ihren Sproß mit einem gedrungenen Blütenstand ab, dessen zahlreiche Blütenknospen von immergrünen Hochblättern geschützt werden.

Stinkende Nieswurz - Einzelblüte Schon ab Ende August des Vorjahres entwickelt die Nieswurz ihre Blütenstände. Zunächst erscheint eine relativ kleine geschlossene Knospe, die dann bis zum Spätherbst bzw. Winteranfang die Gestalt eines Kolbens annimmt, der sich dann langsam entfaltet und Seitentriebe und Blütenknospen ausbildet. Die starkverzweigten Blütenstiele sind dann im Dezember meist schon völlig ausgebildet. Trotz dieser guten Vorbereitung der Blüten im Vorjahr beginnt die Nieswurz aber erst zwischen Februar und März zu blühen. Sobald es die Witterung erlaubt, vermögen die einfachen grünen Blüten sich innerhalb weniger Stunden zu entfalten.
Die glockigen nickenden Blüten stehen (meist zu einer Seite gewandt) zu mehreren in einem lockeren rispigen Blütenstand. Sie haben einen Durchmesser von 1-2 cm und ihre 5 Blütenblätter sind oft mit einem rotbraunen Rand versehen. Bei den Blütenblättern handelt es sich eigentlich um die Kelchblätter. Dies ist der Grund dafür, daß sie nicht abgeworfen werden und die Blüten so lange haltbar sind. Die Kronblätter sind zu tütenförmigen Nektarblättern umgebildet.
Die Nieswurz blüht durch den ganzen Winter, je nach Witterung auch bis weit in den Frühling (bis Mai) hinein. Ein Blütenstand kann im Verlauf einer Blühsaison 100 - 150 Einzelblüten tragen, die vorwiegend von Bienen bestäubt werden. Hierbei wird eine Selbstbestäubung durch die Vorweiblichkeit der Blüten weitestgehend ausgeschlossen. Um die schwerbehangenen Blütenstände überhaupt halten zu können, hat die Stinkende Nieswurz übrigends eine Art "Gelenk" entwickelt, an dem die Blattstiele abknicken können. Ihre Blätter stützen sich dann wie Hände am Boden ab.

Stinkende Nieswurz - Fruchtstand Stinkende Nieswurz - Fruchtstände Als Frucht erscheinen meist 3 vielsamige Balgfrüchte mit hakigem Schnabel, die jeweils ca. 2 cm lang sind. An den Samen bildet sich ein weißes Anhängsel, das Zucker, Glukose, Fruktose, Fett und Vitamin C enthält. Die reifenden Früchte neigen sich nach unten, die Samen fallen auf den Boden und werden von Ameisen verschleppt. Diese fressen die Anhängsel und tragen über diesen Weg zur Verbreitung der Nieswurz bei.

Die Stinkende Nieswurz ist in Südeuropa, Westeuropa und im südlichen Mitteleuropa heimisch. In Deutschland wird sie als Wildstaude nur im mittleren und südwestlichen Bereich gefunden. Sie wächst hier in lichten Wäldern, in trockenen Gebüschen, an Waldrändern sowie auf steinigen Abhängen und bevorzugt nährstoffreiche, kalkhaltige, lockere Böden im Halbschatten.
Die Nieswurz ist ziemlich trockenresistent, kann aber an praktisch allen Stellen im Garten gepflanzt werden. Besonders im Winterhalbjahr lieben die Pflanzen etwas mehr Feuchtigkeit. Im Sommer dagegen, können sie auch Trockenheit und Wärme vertragen. Die Nieswurz stellt keine besonders hohe Ansprüche an den Boden. Sie bevorzugt jedoch kalkhaltige Böden und einen guten Wasserabzug. Ein geschützter, warmer, nicht zu heißer Platz im lichten Schatten vom Gehölze wird ihr gefallen.
Eine Bodenbearbeitung um die Pflanze herum sollte jedoch vermieden werden, denn dadurch können die empfindlichen Wurzeln verletzt werden.
Sehr kalte Winter und Sonnenschein können bei der Nieswurz allerdings zu Schäden führen, im schlimmsten Fall erfrieren die gesamten Blütenstände und vertrocknen. Die Winterhärte der Pflanze ist sehr individuell, aber durchweg ausreichend. Bei strenger Kälte nimmt sie eine Art "Schlafhaltung" ein, d.h. sie läßt die gesamten Blätter hängen.

Stinkende Nieswurz - Blütenstand im Dezember Die Nieswurz ist eine langlebige Pflanze und sollte daher auch möglichst nicht verpflanzt werden. Sie kann im Laufe der Jahre und am zusagenden Standort strauchartige Ausmaße erreichen. Um die Vermehrung braucht man sich nicht zu kümmern, die Samen säen sich leicht selbst aus und nach zwei bis drei Jahren kann man mit den ersten Blüten rechnen.

Zum Seitenanfang  Namensursprung

Der griechische Gattungsname "helein" (= töten) und "bora" (= Speise) deutet auf die Giftigkeit der Pflanze hin. Helleboruswurzeln enthalten Stoffe, die stark zum Niesen reizen, deshalb waren sie getrocknet und pulverisiert lange Zeit Bestandteil von verschiedenen Schnupftabaksorten und Niespulvern. Darauf bezieht sich auch der deutsche Name "Nieswurz".
Der Artname foetidus kommt aus dem lateinischen und bedeutet "übelriechend, stinkend" und findet sich auch in der deutschen Artbezeichnung wieder.

Helleborus foetidus, die stinkende Nieswurz, hat ihren volkstümlichen Namen aber zu Unrecht. Nur wenn man ihre Blätter zerreibt, wird ein eigentümlicher aber nicht unangenehmer Duft freigesetzt. Karl Foerster gab ihr daher den passenderen Namen "Palmblatt-Nieswurz" auf Grund ihrer schwarzgrünen fächerförmigen Blätter.

Zum Seitenanfang  Geschichte

Sämtliche Nieswurz-Arten wurden bereits im Altertum - trotz ihrer Giftigkeit - als Heilpflanzen verwendet. Sie dienten zur Behandlung von Geisteskrankheiten.
In der Antike verabreichte man sie als harntreibendes, Abführ- sowie Brechmittel und zu Wurmkuren.
Die getrockneten und pulverisierten Nieswurzwurzeln wurden früher außerdem als Schnupftabak und Niespulver verwendet.

Zum Seitenanfang  Verwendung und Bedeutung als Heilpflanze

Stinkende Nieswurz - Blütenstand Alle Pflanzenteile sind sehr stark giftig. Die größte Konzentration der Wirkstoffe ist in der Wurzel und in den Samen gefunden worden. Alle Gifte bleiben beim Trocknen erhalten. Die Pflanze enthält Protoanemonin sowie herzwirksame Glycoside.

Der Saft der Pflanze ruft auf der Haut und der Schleimhaut eine starke Reizung mit Entzündungen und Blasenbildung hervor. Bei oraler Aufnahme kann es zu Brechdurchfällen, Übelkeit und Magenschmerzen kommen. Schwindel, Ohrensausen, Sehstörungen, vermehrter Speichelfluß, Koliken und Krämpfe sind deutlichere Zeichen einer Vergiftung. Bei sehr starker Vergiftung tritt der Tod durch Atemlähmung bzw. Herzstillstand ein.

Stinkende Nieswurz - Pflanzengruppe Der Pflanze kommt heute keine medizinische Bedeutung mehr zu. Mittlerweile sind alle Präparate der Pflanze aus der Medizin verschwunden.

Zum Seitenanfang  Verwandte Arten

Viele Variationen gibt es von der Stinkenden Nieswurz (Helleborus foetidus) nicht, sie ist auch so imposant genug. Gelegentliche Variationen beziehen sich auf die Blatt- und Stängelfärbung, noch seltener auf eine Veränderung der Blattform und noch seltener verströmt sie einen zarten Duft.
Kompakter wächst die Sorte "Altenberger Selektion". Rot überlaufene Stengel und Blattstiele sowie graugrüne Blätter hat die Sorte "Wester Flisk".

Wegen ihrer Blütezeit in den Wintermonaten hat die Christrose (Helleborus niger), die wegen ihrer schwarzbraunen Wurzel auch Schwarze Nieswurz genannt wird, eine lange Tradition als Gartenpflanze und daher existieren von ihr auch eine Reihe von Kulturformen.

Lateinischer NameDeutscher Name
Helleborus niger Schwarze Nieswurz, Christrose (heimisch)Foto im Web
Helleborus viridis
 
Grüne Nieswurz, Bärenwurz (heimisch)Foto im Web
Helleborus argutifolius = Helleborus lividus ssp. corsicusKorsische NieswurzFoto im Web
Helleborus atrorubens = Helleborus orientalis "Atrorubens" PurpurchristroseFoto im Web
Helleborus bocconei = Helleborus multifidus ssp.bocconei Vielblütige NieswurzFoto im Web
Helleborus cyclophyllus Kreisblättrige NieswurzFoto im Web
Helleborus dumetorum LenzroseFoto im Web
Helleborus dumetorum ssp. atrorubens Dunkelrote HeckennieswurzFoto im Web
Helleborus lividus Bleigraue NieswurzFoto im Web
Helleborus multifidus Vielblütige NieswurzFoto im Web
Helleborus multifidus ssp. istriacus,
syn. Helleborus odorus ssp. laxus
Vielblütige NieswurzFoto im Web
Helleborus x nigercors = H. argutifolius x H. niger ?Foto im Web
Helleborus odorus Wohlriechende NieswurzFoto im Web
Helleborus orientalis Frühlingschristrose,
Morgenländische Christrose
Foto im Web
Helleborus purpurascens PurpurnieswurzFoto im Web
Helleborus x sternii = H. argutifolius x H. lividus ?Foto im Web
Helleborus thibetanus Chinesische LenzroseFoto im Web

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