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Die etwa 25 bekannten Arten des einjährig oder ausdauernd strauchig wachsenden Stechapfels (Datura) aus der Familie der Nachtschattengewächse sind weltweit in den tropischen bis warm temperierten Zonen verbreitet und alle sehr stark giftig. Der einjährige Gemeine Stechapfel (Datura stramonium), ursprünglich aus dem kaspischen Gebiet stammend, ist heute auf der gesamten Nordhalbkugel bis nach Südamerika verbreitet. Unter optimalen Bedingungen kann er eine Höhe von 2 m erreichen.
Der Stengel des Gemeinen Stechapfels ist kahl, aufrecht und gabelästig verzweigt. Die Blätter sind eiförmig zugespitzt, unregelmäßig gelappt oder gezähnt und werden bis zu 20 cm lang.
Sie haben einen unangenehmen, betäubenden Geruch, der beim Trocknen etwas abnimmt.
Der Gemeine Stechapfel blüht von Juni bis Oktober. Seine dekorativen weißen, manchmal auch hellblauen Blüten stehen einzeln und aufrecht, sind kurzgestielt und können eine Länge von 5 bis 8 cm erreichen. Sie haben einen trichterförmigen Saum mit fünf Zipfeln und ähneln einer Trompete. Sie sitzen einzeln und aufrecht in den Blattachseln des Krautes und öffnen sich erst abends, wenn die Nachtfalter zu fliegen beginnen. Langrüßlige Arten wie Schwärmer sind nämlich die Bestäuber dieser typischen Nachtfalterblume. Die Blüten verströmen einen starken, betäubenden Geruch, der leichte Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann.
Genauso dekorativ wie die Blüten sind die Samenstände des Stechapfels, die von Juli bis Oktober auftreten und häufig in Trockensträußen Verwendung finden.
Die eiförmigen, stachligen und im reifen Zustand braunen Samenkapseln sind innen vierklappig. Sie erinnern an die Fruchtkapseln der Roßkastanie und enthalten Hunderte von blauschwarzen Samen.
Bis zu 20.000 Samen kann eine einzige Pflanze hervorbringen. In den Samen befindet sich auch, neben den Wurzeln, die höchste Giftkonzentration. Die Samen sind, solange sie noch unreif sind, schmackhaft, süß und außerdem noch leicht zugänglich,
da die Stacheln der Frucht erst nach der Reife der Samen hart werden. Daher stellen die Samen für Kinder eine große Gefahr dar, nicht selten kommt es nach dem Genuß derselben zu tödlichen Vergiftungen.
In der freien Natur findet man den Gewöhnlichen Stechapfel nur noch sehr selten. Er teilt damit das Schicksal vieler Ruderalpflanzen, die auf Schutt, auf Ödland, an Wegrändern, an Kompostlagerstätten,
in Weinbergen und in Gärten an gut mit Nährstoffen versorgten Plätzen vorkommen, heute aber immer mehr unserer Ordnungsliebe zum Opfer fallen.
Der Gattungsname Datura, genauer gesagt dhatura, kann einerseits von dem Sanskrit-Wort dhat abgeleitet worden sein, das zur Bezeichnung eines Giftes diente, das aus Datura metel, einer indischen Stechapfelart, gewonnen wurde. Andererseits kann der Name eine Ableitung vom arabischen tatorah oder vom persischen tatula (tat = stechen) sein, was sich auf die Stachelfrucht bezieht. Die Herkunft des Artnamens stramonium ist nicht gesichert. Möglicherweise ist es eine Zusammenfassung aus den griechischen Worten strychnon manikon, was soviel heißt wie "rasend machendes Gift"!
Schon um 300 v. Chr. wurde von der narkotischen und giftigen Wirkung des Stechapfels berichtet. In der Antike wurde aus der Pflanze Speergift hergestellt. Im Mittelalter diente sie als Mittel gegen Geisteskrankheiten.
Auch wurden Pferde mit dem Stechapfel eingerieben, damit sie von Bremsen verschont blieben. Todkranke Menschen beräucherte man mit ihm, wenn diese lange nicht sterben konnten.
Aus den Samen des Stechapfels wurden einst Liebesgetränke gekocht und Salben gemischt, die die Sinne benebelten und um die gewünschte Person gefügig zu machen; ein beliebtes Mittel in Bordellen.
Über den "Liebeszwinger" schrieb ein deutscher Schriftsteller: "ein Mittel der Hurenwirte, schlimmer Mädchenverführer, entarteter Buhlerinnen und frischer Wollüstlinge".
Diebe benutzten Stechapfel-Auszüge, um Ihre Opfer zu betäuben und hinterher besser ausrauben zu können. Der Stechapfel gehört neben dem Bilsenkraut und der Tollkirsche zu den "klassischen Hexendrogen".
Eine große Rolle spielte er auch im Aberglauben der Zigeuner, die wahrscheinlich entscheidend zu seiner Verbreitung bei uns beigetragen haben. Sie verwendeten ihn als Zauber- und Orakelkraut, aber auch als Arznei.
Daneben benutzte man den Stechapfel als halluzinogene Droge. Man verbrannte Stechapfelsamen auf glühender Kohle und atmete den Rauch ein. Dadurch gerieten die Anwesenden in einen zauberartigen Rauschzustand. In Arabien wurde der Stechapfel auch Getränken und Tabak beigemischt, um solche euphorischen Zustände herbeizuführen. Die Shamanen der Maya rauchen Mischungen aus Stechapfelkraut und Bauerntabak, um in eine hellseherische Trance zu verfallen. Mit Hilfe von Datura Stramonium vollführen haitianische Priester Wiederbelebungszeremonien, in denen sie exhumierte Personen, die eines unnatürlichen Todes gestorben sind, unter Drogen setzen, bis zur völligen Unterwerfung prügeln und sie schließlich als Zombies zum Arbeiten auf die Felder schicken. Daher ist die Pflanze in Haiti unter dem Namen Concombre Zombi (Zombigurke) bekannt.
Der Stechapfel enthält in allen Pflanzenteilen die giftigen Alkaloide Hyoscyamin, Skopolamin und Atropin. Die Dosierung der Pflanze war aufgrund der Giftigkeit immer eins der größten Probleme. Die Wirkung konnte beim Rauchen leichter kontrolliert werden, so daß dies oft vorgezogen wurde. Die Stärke der Pflanze ist aber auch ohne direkte Einnahme zu spüren. Allein der Duft der Blüten kann so stark sein, daß er betäubend wirkt und leichte Vergiftungserscheinungen hevorrufen kann. Bei Einnahme selbst kleinerer Mengen sind ernste Symptome zu erwarten.
Die tödliche Dosis für Kinder liegt bei 15 bis 20 Samen oder
4 bis 5 g der Rohblätter (1 bis 2 Teelöffel)!
Aber bereits Mengen ab 0,3 g gelten als giftig!
Bei einer niedrigen Vergiftungsdosis spürt man neben roter, heißer und trockener gereizter Haut vor allem die lähmende Wirkung auf den Parasympathikus. Mund und Rachen trocknen aus.
Der Speichel fließt nicht mehr. Die Schleimhäute des Verdauungskanals werden auch ganz trocken, wodurch Schlucken und Essen sehr schwer fällt. Dadurch, daß der Parasympathikus nicht mehr beruhigend auf das Herz wirken kann,
kommt es zu Herzrasen. Die Pupillen erweitern sich und es kommt zu Störungen des räumlichen Sehens.
Bei einer mittleren Vergiftungdosis kommt es zur Verstärkung der oben beschriebenen Effekte. Zusätzlich entstehen immer mehr Unruhe- und Verwirrungszustände, die in Halluzinationen gipfeln können.
Diese treten zwei bis vier Stunden nach der Einnahme auf und können über mehrere Tage andauern. Außerdem kann es zu Erregungs- und Tobsuchtsanfällen, Gewaltausbrüchen und Krämpfen kommen.
Im Gegensatz zu psychedelischen Drogen wirken die Halluzinationen als wären sie real. Dadurch ist der Stechapfel-Vergiftete in Gefahr, seinen Traum mit der Wirklichkeit zu verwechseln und sich dadurch in Lebensgefahr zu bringen.
Wegen der unangenehmen Begleiterscheinungen kann das Gesamterlebnis, selbst wenn es nicht zu Unfällen durch die Halluzinationen kommt, sehr unangenehm sein. Der Stechapfel wirkt auch hypnotisch. Das enthaltene Scolopamin lähmt den Willen, die Berauschten sind darum sehr leicht beeinflußbar.
Meistens wechselt die Anregung des zentralen Nervensystems nach einer Weile zu einer Lähmung desselben, wodurch der Vergiftete oft in tiefen Schlaf fällt, in dem er starke lebhafte und teilweise beunruhigende Träume hat.
In diesen Träumen werden Berichten zufolge oft Verwandlungen in Tiere und sexuelle Visionen erlebt. Desweiteren kann eine Vergiftung mit dieser Pflanze auch eine endogene Psychose aktivieren oder einen Glaukomanfall auslösen.
Bei einer starken Vergiftungsdosis kommt es zur Bewußtlosigkeit und narkoseähnlichem Schlaf. Die Lähmung des zentralen Nervensystems führt dann meist zu einer Lähmung des Atemzentrums und zum Tod.
In der Medizin werden die in der Pflanze enthaltenen Alkaloide wegen ihrer krampflösenden Wirkung in Arzneimitteln für Asthmatiker und bei der Parkinsonschen Krankheit verwendet. Früher wurden aus den getrockneten Blättern auch Räucherkraut und sogenannte "Asthma-Zigaretten" hergestellt.
Weil aber auf diesem Wege die aufgenommene Alkaloidmenge nicht kalkulierbar ist, werden heute statt dessen standardisierte Arzneimittel benutzt.
In der Homöopathie wird der Stechapfel bei Hirnreizung, Erschöpfungszuständen, Krämpfen und Asthma sowie bei Geistesstörungen, Säuferwahnsinn und Tobsucht angewendet.
Ich möchte hier sehr eindringlich davor warnen, mit dem Stechapfel irgendwelche Experimente durchzuführen
bzw. ihn als Rauschmittel einzusetzen. Es besteht höchste Gefahr für Ihre dauerhafte Gesundheit und Ihr Leben!
Familien mit kleinen Kindern sollten auf jeden Fall vom Anpflanzen des Stechapfels absehen!
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Die Engelstrompete (Datura suaveolens) ist ein Halbstrauch, der bis zu 5 m Höhe erreichen kann. Die großen, lanzett-eiförmig geformten Blätter sind mittelgrün und am Rand leicht gewellt.
Aufgrund der reinweißen Farbe der nach unten hängenden, bis zu 30 cm langen Blüten, wird sie Engelstrompete genannt. Sie duftet stark und sehr angenehm. Die Blütenbildung beginnt ungefähr im Juni und hält bis zum Spätherbst an.
Die gelblichen bis rötlichen Farbtöne der im Handel erhältlichen Sorten wurden von anderen Arten (z.B. Datura sanguinea oder Datura aurea) eingekreuzt, wobei auch Datura aurea mit ihren goldgelben Blüten als Zierpflanze verwendet wird.
Die Früchte der Engelstrompete haben keine Stacheln und werden 5 - 7 cm lang. Alle Pflanzenteile sind giftig, insbesondere Früchte und Samen.
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| Lateinischer Name | Anderer Lateinischer Name | Deutscher Name | |
| Datura aurea | Brugmansia aurea | Goldene Engelstrompete; Goldener Stechapfel | Foto |
| Datura suaveolens | Brugmansia suaveolens; Brugmansia Persoon | Engelstrompete, Trompetenbaum | Foto |
| Datura innoxia | Datura meteloides; Datura hybrida; Datura metel var. quinquecuspida | Mexikanischer Stechapfel, Großblütiger Stechapfel; Toloache | Foto |
| Datura metel | Datura alba, Datura Chlorantha | Indischer Stechapfel; Metel-Stechapfel; Duft-Stechapfel; Yangjinhua; Sadadhatura | Foto |
| Datura sanguinea | Brugmansia sanguinea; Burgmansia rosei hort.; Datura rosei hort. | Blutroter Stechapfel; Blutrote Engelstrompete | Foto |
| Datura tatula | Datura stramonium var. tatula | Arabischer Stechapfel; Weichhaariger Stechapfel | Foto |
| Datura discolor | Heiliger Stechapfel | Foto | |
| Datura wrightii | Wrights-Stechapfel | Foto | |
| Datura arborea | Brugmansia arborea | Peruanische Trompete, Chamico | Foto |
| Datura candida | Brugmansia candida | Foto | |
| Datura insignis | Brugmansia insignis | Foto | |
| Datura ceratocaula | Azteken: Atlinan | Foto | |
| Datura quercifolia | Foto | ||
| Datura ferox | Foto | ||
| Datura fastuosa | Datura metel var. fastuosa | Foto | |
| Datura primosa | Foto | ||
| Datura leichhardtii | Foto | ||